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Die Kunst der sinnlichen Strenge

Die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, zeitlich etwa zwischen 1910 und 1935 anzusetzen, löste den Jugendstil ab und war geprägt von einem symmetrisch-linearen Stil, der in Frankreich entstand und sich auch in Deutschland und Amerika ausbreitete. Art Déco fand vor allem in den kunsthandwerklichen Bereichen Möbel, Schmuck, Textilien, Keramik und Innenarchitektur Verbreitung. Der Begriff Art Déco hat sich aus der Ausstellung Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes entwickelt, die 1925 in Paris stattfand. Der schwärmerische Jugendstil hatte einen würdigen Nachfolger gefunden.

Kennzeichnend sind kubistisch-geometrische Formen, bedeutsam sind die Verwendung von Metallen oder synthetischen Materialien. Auch exotische Hölzer und Elfenbein, Bronze- und Silberbeschläge sowie Lackarbeiten werden sehr beliebt. Insgesamt zeichnet sich das Mobiliar des Art Déco durch raffinierte Materialwahl und hoch kultivierte, handwerkliche Verarbeitung aus. Stilprägend ist u. a. die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun 1922/23, die eine ägyptische Mode ins Leben ruft, die sich unmittelbar am antiken Vorbild inspiriert. Daneben sind exotische Einflüsse bedeutsam, wie die Kunst der Indianer Nord- und Südamerikas oder auch schwarzafrikanische Stammeskunst.

Zwischen handwerklicher Hochkultur und Massenproduktion

Die Gestalter der Innenräume teilen sich in Traditionalisten und Konstruktivisten; Erstere bewahren geschwungene Linien und Konturen und betonen gleichzeitig die preziöse Verarbeitung des Möbels, während Letztere neue ungewohnte Materialien verwenden. Zu den Traditionalisten gehören vor allem L. Jallot, der als einer der ersten Ziernägel aus Elfenbein verarbeitete sowie M. Dufrene und Paul Follot.

Der bedeutendste Traditionalist ist E.-J. Ruhlmann. Seine Möbel werden charakterisiert durch perfekte handwerkliche Verarbeitung und den Gebrauch seltener, exotischer Hölzer. Schon zu seiner Zeit galt der Erwerb eines seiner Möbel als Luxus, den sich nur eine dünne Oberschicht leisten konnte. Ruhlmanns Pavillon d'un Ambassadeur auf der Pariser Weltausstellung 1925 stand für diese hochgezüchtete Möbelkunst.

Die Konstruktivisten hingegen entwarfen gezielt für eine industrielle Serienfertigung, was sich in der Wahl der Materialien zeigt: Neben natürlichen, bewusst schmucklos belassenen Hölzern, Leder oder Stroh treten die ersten Kunststoffe, Aluminium und Stahl auf. Als bedeutendste Vertreter dieser Richtung gelten Djobourgeois, P. Chareau und Jean Michel Frank. Wichtige Anregungen von den Konstruktivisten erhielten M. Breuer und Le Corbusier, um nur einige zu nennen.

Weitere prominente Vertreter waren Degué, Cheuret, Daum, le Verrier, Majorelle (Bronzeguss). René Lalique war einer der ersten Vertreter dieser Zunft, der "nur noch" nach von ihm gefertigten Entwürfen produzieren ließ. Damit begann auch in Frankreich die industrielle Fertigung in größeren Stückzahlen.